ein großer Künstler

Heute Morgen am Hotel am Tierpark in Güstrow aufgewacht: Auf den Autos lag Raureif! In der Nacht bin ich mehrfach von der kalten Atemluft erwacht. Brrrr!!! Dies war der teuerste und schlechteste Stellplatz! Teuer, weil 15€ echt viel für einen platten Hartgrasplatz sind und schlecht, weil ab 6h die güstrower rushhour begann. Aber! Die Angestellten des Hotels waren super freundlich und hilfsbereit, es gab das wohl luxuriöseste Bad, das ich jemals auf einer WoMo-Tour erlebt habe und das Essen gestern war super lecker.

Nach einer Aufwärmdusche und einer gemütlichen Session mit Veit und Kaffee bin ich dann aufgebrochen, Barlach zu erobern. Kurz vor 9h kam ich am Atelierhaus an, es wartete schon eine Schulklasse auf Einlass, also spielte ich noch ein bisschen mit Frida: Stöckchen holen, Stöckchen verstecken, Frida mit Stöckchen ärgern … Als die Klasse rein ging, bin ich rüber. Auf dem Weg begegnete ich einem interessanten Mann, Kategorie seriöser Künstler: „Wollen Sie in die Ausstellung? Wir öffnen aber erst um 11h.“ Verfroren wie ich aussah, tat ich ihm wohl leid. „Na, da ist ja jetzt eine Schulklasse drin. Frau …. wir können doch mal eine Ausnahme machen??“ Und schon war ich drin. Barlach!!!! Was für ein Handwerker. Ich weiß, wie schwer das ist aus Holz Figuren zu schlagen.Ich hab`s mal mit Birke probiert, angeblich das weichste Holz. Nach dem WoEndKurs hatte ich Schmerzen im Arm, im Handgelenk, in den Fingern … Harte Arbeite! Und  Barlach hat viel mit Team, Linde und EICHE gearbeitet. Letzteres soll so ziemlich das härteste Holz sein.

Und dann die Gesichter seiner Figuren!!! Ganze Geschichten kann man an ihnen ablesen. Der Wartende hat ergeben die Hände gefaltet, aber im Gesicht sieht man deutlich das genervt Sein. Klasse.

Beeindruckend war auch die Rache … Ein Gesicht wie im flow, völlig weggetreten und doch konzentriert. Hat mir Angst gemacht. Und das Bildnis seiner Mutter: Umwölkt, eigentlich in ihrer Enttäuschung, Resignation und unterdrücktem Zorn nichts sehend, nichts wahrnehmend, stehen geblieben.

Lange habe ich über den Tod im Leben nachgedacht. Ein sehr schmaler, fast zarter Mann, der die Hände in einer Art erschrockener Geste am offenen Mund hält. Starr in seinem Schreck? Tod?

Und auch die Schulklasse hat mich beeindruckt. Es waren deutsche und französische Schüler in der beginnenden Pubertät, also 13, 14, vielleicht einige 15. Sie kicherten und waren viel mehr am miteinander Flirten interessiert, aber es war eine freundliche, rücksichtsvolle Stimmung. Wenn ich kam, machten sie mir Platz, sie kicherten leise … Von deutschen Schülern bin ich eher eine ablehnende, fast aggressive Stimmung in solchen leicht überfordernden Situationen gewöhnt.

Nach dem Atelierhaus wollte ich nun auch noch in die Gertrudenkapelle und vor allem in den Dom, den fliegenden Engel sehen. Auf dem Weg dorthin eine Polizeikontrolle angehender Polizeibeamten. Tja, es fehlte eine angemessene Warnweste und vor allem hatte ich ja meinen Schlafplatz nur abgedeckt, die Kisten und Kasten meines Wohnautos als Wohnung, nicht als Auto gelagert: Verwarnungsgeld und ich musste aufräumen. Na, ich hab viel rumgescherzt mit den jungen zukünftigen Beamten. Dass ich dieses Strafgeld lieber für ein Paar Schuhe ausgegeben hätte, dass ich jetzt für meine Faulheit und/oder Unordnung von der Polizei bestraft werde (wie früher die Warnung, wenn man nicht artig wäre …) usw. Es waren vergnügliche ca. 30min, ein bisschen feixen, ein bisschen flirten und alle winkten mir zum Abschied.

Dann kam ich kostenlos in den Dom (der Ausgleich), konnte dort den Engel knipsen ohne zu bezahlen (ich hatte das Schild schlicht übersehen).

In der Gertrudenkapelle war die nächste Schulklasse und die Stimmung war so, wie ich es kenne. Leicht drohender Ton der Lehrerin und am Rande der offenen Verweigerung die Schüler. Schade, grässlich und warum kriegen wir nicht hin, was die Franzosen so locker schaffen. Hat es mit Würde und Respekt zu tun? Respektieren wir die Schüler nicht als eigenständige, vollwertige Menschen?

Und nun? Am liebsten auf einen Camping-Platz, in der Sonne sitzen und lesen, Füße hoch, entspannen in der Natur, den Vögeln lauschen. Doch der erste Platz bei Goldberg noch geschlossen, der 2. auch, ein Anruf beim 3. vergeblich … Also Pause und nachdenken. Schönes Sonnenplätzlich am Waldrand gefunden, powernapping gemacht und beschlossen: Ab nach Hause! Der Fischer gestern hatte gemurmelt, dass der Wind auf Nordost gedreht hätte: Erneuter Kälteeinbruch, was die bereiften Autos heute Morgen bestätigt haben. Dann  kein Zeltplatz offen … Also, CD rein (Männer und andere Katastrophen) und ab Richtung Autobahn und dann nach Hause.

War ne schöne erste Tour, hab jetzt schon Lust auf neue Entdeckungen! Werd dann wohl in den Oderbruch fahren.

Ein Gedanke zu “ein großer Künstler

  1. Hi Sybille, wenn ich deinen Post so lese, mag ich gar nicht aufhören, ich bin mitten drin im Geschehen. Du solltest ein Buch schreiben „Frauontour“, nicht nur von dieser, sondern natürlich auch von weiteren geplanten Fahrten – auch ins Ausland.
    Es war ein Genuss, dabei zu sein. 😉

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