Sybille vom Feinsten

Letzten Mittwoch hatte ich einen superschönen Stellplatz: An einem Restaurant mit leckerem menue de dia, ca 100m vom Strand, mitten im Nirgendwo, ganz allein in einem netten Garten. Nach dem Essen und einer Mittagsruhe ging ich an den Strand. Zwar Kiesel aber doch fein zum Baden. Ich genoss die Zeit, las, schaute, schwamm, ließ Frida schwimmen.

Als ich wieder zu meinem Camper wollte (und meine bisher größte Panik war immer, irgendwo auf dem Klo eingeschlossen zu sein, keiner hört mich und handy leer), waren beide Tore zum Stellplatz zu. Ich drehte am Griff … nix. Ich hämmerte mit der flachen Hand dagegen, schrie hola, aber … nichts rührte sich. Keine Telefonnummer zu finden, kein versteckter Eingang, nichts.

Langsam bekam ich Panik, es war schon nach 18h. Was machen? Ich hielt also Autofahrer an. Da ich nicht wirklich spanisch spreche, fragte ich immer erst, ob englisch gesprochen wird. Bei einer Frau hatte ich Glück. Ich erklärte ihr mein AusgeschlossenSein und dass mein Camper da drin stehe. Sie schüttelte missbilligend den Kopf und versuchte, ihren Vater zu erreichen, der, oh Wunder, ein Freund vom Restaurantsbesitzers ist. Aber … Vater meldete sich nicht. Sie fuhr weiter mit dem Hinweis, sie werde sich bemühen. 

Der nächste englisch verstehende Fahrer hatte einen Freund, der kannte die Telefonnummer des Restaurants. Aber … es meldete sich nur der Anrufbeantworter. Was nun? Schließlich fiel ihm ein anderer Freund ein, der jemanden kennt, der …Nach einigem hin und her meldete sich der Besitzer … und versprach zu kommen. 

Ich wartete … und wartete … inzwischen war es 19h … ich beschloss, wenn in der nächsten halben Stunde nichts passiert, rufe ich die Polizei mit meinem Reststrom im handy, und Spanier mögen die Polizei nicht! 

Endlich tauchte der Besitzer auf, lächelte, ging mit mir über die Straße … und schob einfach das Tor auf. Es war gar nicht  abgeschlossen! Nur zugezogen!!!

Fazit: In meiner Angst war ich panikartig besessen von dem Gedanken, dass alles verschlossen sei, ohne das Naheliegendste zu überprüfen.

Wie oft ich mich im Leben von den Gefühlen -ich störe-, -ich werde nicht geliebt-, -ich bin nicht gut genug- eingrenzen/ausschließen lasse! 

Wann lässt du dich von deiner Angst, deinen Gedanken beherrschen? Und wie wirst du geweckt?

Mir war es erst ziemlich peinlich, doch der Besitzer lachte nur, vor allem als ich ihm meine Panik vormachte (er sprach nur spanisch). Und so lachten wir schließlich gemeinsam über mich.

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Wieder unterwegs

Diese Woche war ich also in Lourdes. Eine berührende und eine zwiespältige Erfahrung! Berührend waren die sichtbar kranken Menschen, die voller Demut sich dem Ritual hingaben. Auch habe ich die Innigkeit der Gemeinschaft der Gläubigen gespürt, die durch die bekannte Abfolge der Liturgie erschaffen wurde. Aber ich war auch voller Abwehr gegenüber der Institution der katholischen Kirche und deren Vertreter, die stillschweigend den Missbrauch von Kindern und Kirchenspenden dulden.

Die Anlage um die Grotte liegt in einem zauberhaften kleinen Tal mit Fluss und natürlichen Grünflächen. Aber weder durfte die Pilgerin mit Esel und Hund den Bereich betreten, noch war es mir erlaubt, Frida mitzunehmen. Alles war eingezäunt und mit Videokameras gesichert. Eine Tür wurde nur geöffnet, wenn man den Rufknopf betätigte. Hochsicherheitstrakt gegen vierbeinige Geschöpfe! Mir ein unverständliches Gebaren.

Fazit: Wie gehst du mit solchen inneren Kontroversen um? Mich hat es behindert, vielleicht doch eine Spur von etwas Heiligem, etwas Besonderen an diesem Ort zu finden.

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Helfen

Was mir momentan sehr klar wird, ist, dass -helfen- eine extreme Schattenseite hat. Ich habe eine 2er-Fixierung, dass heißt, dass -helfen- für mich immer den Beigeschmack von -ich werde gebraucht=geliebt- hat. 

Jetzt wird mir jedoch sehr klar deutlich, welche Arroganz und welcher Stolz auch hinter meinem Helfen liegen. Das ist so, als wüsste ich die Lösung, als wüsste ich mehr als andere Menschen, mehr als das Leben. Ich hoffe, dass dieses Bewusstsein anhält, ich höchstens mit Fragen inspiriere, einen individuellen, von mir unabhängigen Lösungsweg zu finden. Und möglichst nicht mehr ungefragt, Dinge/Handlungen übernehme, denn das kann auch wie ein -an mich reißen- ankommen.

Fazit: Aus welcher Motivation heraus hilfst du?

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Ich melde mich zurück

Was habe ich in diesem Sommer gelernt? 

  • Ich habe eine tiefe innere Stimme in mir gefunden, die klar und sehr analytisch seziert.
  • Ich habe erfahren müssen, dass es Menschen gibt, die in Wirklichkeit sehr viel anders sind, als sie sich im Außen zeigen.
  • Ich habe angefangen, meine inneren Schatten anzunehmen und mich mit ihnen anzufreunden. 
  • Ich habe spüren dürfen, dass manche Menschen weit weg wohnen, mir innerlich aber ganz nahe sind, während andere in meiner Umgebung mir fremd bleiben.
  • Und ich erlebe, dass Corona in Deutschland die Menschen entzweit.  

Fazit: Was hat dir der Sommer gezeigt? Was hast du gelernt? Wo und wie geht es bei dir weiter?

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Zeitweiser Abschied

Liebe LeserIn, danke für deine Treue, dass du immer mal wieder auf diese Seite geschaut hast. In den letzten Wochen habe ich ja nicht mehr so regelmäßig hier geschrieben und das liegt daran, dass ich so mit meinem Roman beschäftigt bin. Wenn ich mehrere Stunden geschrieben habe, bin ich leer. Dann fällt mir nur noch Blabla ein und das möchte ich hier nicht veröffentlichen. 

Also habe ich beschlossen, eine Pause einzulegen. Ich bin inzwischen heil und gesund wieder in Deutschland angekommen und wurde von Freunden und  in meiner WG sehr herzlichst begrüßt. Ich melde mich auf dieser Seite wieder, wenn ich mich im Herbst erneut auf den Weg in den Süden mache. Bis dahin bleib gesund und genieß das Leben!

Falls jemand Lust hat, mein Buch in der Entstehungsphase mitzulesen: Ich suche Testleser, Rückmeldungen erwünscht und gefordert. Falls du dazu bereit bist, bitte melde dich. Ich freue mich. 

Sei herzlichst umarmt und ich freue mich auf ein „Wiederlesen“ im Herbst.

tarraaaaa

Ihr Lieben, heute tue ich es. Hier kommt ein Appetizer zu meinem Buch, ein Vorgeschmack. Ich bitte euch herzlichst um Feedback … Es ist der allererste Entwurf, unüberarbeitet, also mit jeder Menge Möglichkeiten zur Verbesserung.

1. Teil: Wie alles begann

Der Zusammenbruch

Ich bin Ella Mutzek, 57 Jahre und schuldig. 

Mein ganzes Leben war ich nicht gut genug, nicht fleißig genug, nicht ordentlich genug, nicht schön genug … ich bin einfach nirgends genug!

Ich musste 3x die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium ablegen und niemand ließ damals einen Zweifel daran, dass ich letztendlich die Aufnahme nur dem Einsatz meines Vaters verdanke. Ich war einfach nicht schlau genug. 

Schließlich schaffte ich das Abitur, ging endlich sogar an eine Universität und absolvierte sogar ein Studium zum Lehramt und nun bin ich seit langer Zeit Lehrerin. Ich mag meinen Beruf, finde es manchmal sogar echt erstaunlich, dass ich dafür sogar Geld bekomme … aber …

Es gibt Kinder, die verstehen meine Erklärungen nicht oder nicht richtig. Ich finde es schrecklich, denen dafür in der Arbeit eine schlechte Note zu geben. Ich hätte das doch besser erklären müssen. 

Es gibt Kinder, die langweilen sich im Unterricht, andere sind überfordert, manche haben so viele Probleme zu Hause … und dann sollen sie hier die Klasse wiederholen? 

Ich habe eine andere Unterrichtsform eingeführt: Offenen Unterricht. Jedes Thema ist so aufbereitet mit Spielen, Informationen und Übungen, dass jedes Kind selbst entscheiden kann, wie viel es davon wissen will. Jede Ferien, jeden Nachmittag, jedes Wochenende sitze ich und bastle, schnipple, klebe und suche Informationen zusammen. 

Der Nachteil: Ich habe keine freie Zeit mehr für mich. Ich habe keine Freunde, und keine Liebesbeziehung mehr, nur noch der Hund und ich. Und nun ist auch noch der Hund tot. Das ist einerseits gut, denn ich liege im Krankenhaus und hätte niemanden, der sich um sie kümmert, aber wenn ich daran denke, wieder nach Hause zu gehen, in das leere Haus … Sofort schießen mir die Tränen in die Augen. Das ist kein zu Hause, das ist eine leere Bude mit Schreibtisch und Bett.

Ich schluchze, kann mich kaum einkriegen, die Tränen schießen mir nur so aus den Augen. Ich setze das ganze Bett unter Wasser …

„Ach Liebe, was ist denn?“ Schwester Gertrud schaut ganz bekümmert. „Tut Ihnen was weh?“

„Ja,“ jammere ich „mein ganzes Leben.“

„Ach Kindchen,“ sie ist kaum älter als ich. „Sie haben doch so einen schönen Beruf! Und sie bekommen sogar Post von Ihren Kindern!“

Eine Kollegin war heute hier und hat einen dicken Umschlag mit vielen lieben Briefen, Karten und Bildern vorbei gebracht. 

„Ja,“ japse ich, „aber ich kann das nicht mehr!“ Jetzt ist es raus. Ich kann das einfach nicht mehr. Seit Jahren fühle ich mich überfordert, stehe eigentlich permanent mit dem Rücken an der Wand und befürchte, dass irgendwer es endlich entdeckt. 

Entdeckt, dass ich unfähig bin, dass ich zu Unrecht diesen Posten bekleide, dass ich gar keine ordentliche, gute Lehrerin bin, dass ich unfähig bin. Bei diesen Sätzen breche ich innerlich zusammen und schwimme in meinen Tränen. Der Hals ist wie zugeschnürt, in der Brust wird es eng und der Schwindel setzt wieder ein. Alles um mich herum dreht sich, ich komme mir vor, als wäre ich auf einem Schiff bei Windstärke 12. Mir wird übel und ich befürchte, gleich in Ohnmacht zu fallen. 

Um mich herum piept es, irgendwie bricht Hektik aus, aber mir ist das alles egal: Ich lasse los und verschwinde.  

—> würdet ihr gern weiterlesen?

 

dankbar

Liebe LeserIn, ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken, dass du immer wieder meine Gedankensplitter liest und auch zeitweise kommentierst. Ich liebe euch dafür! Und ich bin froh und dankbar, dass ich in all den Jahren, in denen ich mich hier so auslasse nur 2 echt bösartige Rückmeldungen bekommen habe. Was für ein Glück! 

Bei beiden Schreiben vermute ich männliche Dinosaurier dahinter, die noch nicht mitbekommen haben, dass Frauen heute selbstbestimmte, freie Wesen sind, die sich selbst erwählen, mit wem sie ihre kostbare Lebenszeit verbringen wollen.

Heute habe ich eine Bitte an euch: Ich schreibe (endlich!!!) mein nächstes Buch. Es ist wieder ein Tatsachenroman und ich frage euch: Wovon würdet ihr gern mehr lesen? Welche meiner Themen haben euch berührt? Ich wäre über Rückmeldungen sehr dankbar und freue mich schon, von euch zu lesen.

Herzlichst eure glückliche Sybille

Rückkehr zur „Normal“ität?

Was passiert, wenn die Krise vorbei ist? Nun, inzwischen sehe ich mehr Chance als Krise. Der Virus und seine Folgen haben mir so viele positive Nebeneffekte gezeigt: Die Kreativität, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit der Menschen (In Spanien fahren jeden Abend zwischen 19h und 20h Polizeiwagen mit riesigen Lautsprechern übers Land: Die Polizei dankt der Bevölkerung, dass sie sich an die Ausgangssperre halten!), die Rückkehr und Erholung der Natur und meine kritische Bewusstwerdung meines Lebens … ich möchte nicht einfach nur zurückkehren, ich möchte Anderes erschaffen!

 

So ist Dankbarkeit, Wertschätzung und Wohlwollen zu meinen ständigen Lebensbegleitern geworden. Mein bewusster Fokus ruht immer mehr auf all dem Schönen und Guten in der Welt. Und ich pflege die Stille und gesunde Ernährung als Zeichen meiner Selbstliebe.

Fazit: Was nimmst du aus dieser besonderen Situation mit? Was für eine Welt möchtest du erschaffen? Sind Dankbarkeit, Wertschätzung, Wohlwollen und Freundlichkeit auch für dich wichtige Werte geworden?   

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Die andere Seite

Ich weiß nicht, wie es dir grad geht, aber mir tut es total gut, mich mit all den positiven Folgen von Corona zu beschäftigen: Klare Kanäle in Venedig,  Delfine in den Mittelmeerhäfen, nachbarschaftliches Einkaufen, Briefe und Postkarten von Unbekannten an Bewohner in Altenheimen, vermieten von Spargelreihen, nähen von Atemschutzmasken, Vermieter, die die Mieten halbieren oder sogar aussetzen … und die vielen lustigen Filmchen bei fb. Corona ist für mich ein Lehrmeister in Kreativität, Hilfsbereitschaft und  menschlichem Miteinander.

Foto 12.12.19, 23 08 42

Fazit: Jeder Schatten, jede Krise, verdeutlicht das Licht. Und so ist mir noch mal klarer vor Augen geführt geworden, wie wichtig bewusste, dankbare Lebensführung ist. Ich hoffe, dass auch du dich nicht in den Zahlen und Negativmeldungen verlierst! 

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Corona und kein Ende

Was macht das alles mit dir? Anfangs hab ich den hipe echt belächelt, hielt das Aufbauschen für eine medienwirksame Ablenkung von anderen, ungelösten Themen. Dann ließ mich die spanische Ernsthaftigkeit, mit der für das Einhalten der Notstandsgesetze gesorgt wird, innehalten. 

Jetzt lebe ich in Quarantäne de luxe, bin von der Notlage berührt und staune über all die positiven Ergebnisse: Die Natur erholt sich, fremde Menschen begegnen sich freundlich, höflich und hilfsbereit und auch bei fb nehmen die Hetztriaden ab! Es ist, als ob ein übergroßer Finger droht und fragt: Wie willst du wirklich leben, Mensch?!

Fazit: Inzwischen überwiegen bei mir die Momente großer Dankbarkeit: Gesundheit, der Frieden überall, die Natur, Sonnenschein, freundliches Miteinander, atmen können, Vogelgezwitscher, essen, inspirierende Bücher … Wie ist das bei dir? Kannst du den Frieden spüren und dankbar annehmen? 

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