Neues von unterwegs

Gestern habe ich eine neue Sorte Camper kennengelernt.
Über die Kuschelcamper schrieb ich ja schon in meinem Buch, die keinen Abstand zum Nachbar mögen und sich am liebsten Tür an Tür stellen. Nun gestern stellte sich so ein Kuschelcamper neben mich und kurz danach kam ein 2. Mobil, das sich als Freunde des ersten herausstellten. Kaum öffneten sich die Türen begann ein langes Palavern, das für mich erst endete, als ich nach ca. 1 Std. umparkte und somit die Lautstärke des Empfangs sehr deutlich reduzierte. Für mich ist diese mangelnde Sensibilität und fehlende Rücksicht immer wieder erstaunlich!
Ansonsten genieße ich meine Tour. Nach dem Weinanbaugebiet des Rioja mit Weinprobe bei meinem Lieblingswein Ramon Bilbao ging’s weiter Richtung La Mancha durch die großen Plains, endlose, riesige Getreidefelder. Danach folgte die Tierzucht, und für mich das Schönste war, dass es neben Kuh-, Schaf- und Ziegenherden auch große Areale gab, auf denen sich Schweine tummelten, mit Suhlbad und Schlaftunnel!
Da ich momentan Probleme mit meinem alten Profil auf Facebook habe und sich hier ewig die Bedienung ändert, habe ich viele Fotos inzwischen bei Instagram reingestellt.

Warum ich Spanien so liebe

In einem kleinen Café in einem Bergdorf irgendwo in Galizien saßen zwei Frauen in meinem Alter und rauchten gemütlich jeweils ihren kleinen Joint. Als ich sie auf den Geruch ansprach, lachten sie und boten mir an, mitzurauchen.
Eine Holländerin, die ich auf einem der Stellplätze vorher kennengelernt habe, machte einen riesigen Hipe um ihr Gerauche, heimlich, verborgen … dabei riecht jeder, der das Kraut kennt, es meilenweit!
Wenn es in einer engen Stadtstraße kein Weiterkommen gibt, weil jemand mit Warnblinkern in der 2. Reihe parkt, da er in einem Geschäft etwas abholen will, gibt es kein Gehupe. Alle stehen, warten und klönen eventuell mit Bekannten auf dem Fußweg.
Gerade eben komme ich von einer kleinen Wanderung zurück. Am Beginn war eine Farbmarkierung, die ich verwirrend fand, aber ich bin weitergelaufen. Irgendwann kam mir eine Frau entgegen und das war gut, denn im weiteren Verlauf gab es mehrfach geschlossene Pforten, wo ich wohl umgekehrt wäre. Aber da sie den Weg gegangen ist, nutzte auch ich die Löcher im Zaun. Von den Markierungen war nichts zu sehen. Die tauchten dann ganz am Ende auf, als der Pfad wieder auf den Hauptweg stieß, und jetzt waren es plötzlich die, die ich erwartet hatte.
Jetzt stehe ich auf einem Stellplatz, der bezahlt werden müsste. Doch wie diese Bezahlung erfolgen soll, ist nicht ersichtlich. Gestern war die Polizei hier, aber die kümmerte sich nicht um uns Camper … und kein spanisches Mobil hat bezahlt.

Übrigens habe ich später die Frau vom Wanderweg im Café wieder getroffen. Sie empfing mich mit einem Wortschwall, als wären wir schon lange Freundinnen.
Ich empfinde hier alles so am Menschen orientiert, nicht so gesetzestreu und du musst folgen! wie in Deutschland. Eben entspannt, menschlich, fünfe grade sein lassen.

22.8.22
Endlich bin ich wieder in Spanien! Ich liebe dieses respektvolle, freundliche Miteinander hier, die achtsamen Autofahrer und die überschäumende Lebensfreude. Da ich teilweise auf dem Camino entgegengesetzt der Laufrichtung gefahren bin, habe ich wundersame Geschichten zu erzählen.
Ich habe einen kostenlosen! Stellplatz mit voller Versorgung an einer Schwefelheilquelle entdeckt, die meiner Haut und meinem Rücken sehr gut tat. Mir begegneten erschöpfte und vom Leben berauschte Pilger, ich bekam wundervolle, strahlende, ehrliche Lächeln geschenkt und ich musste meine Meisterprüfung im Fahren ablegen: Bergauf, durch eine mittelalterliche, enge Gasse, mit Gegenverkehr und die Häuser hatten Balkone. Höchstens 2cm!!! waren der „beruhigende“ Abstand zu allem. Aber ich habe es ohne Kratzer und Schrammen geschafft!

Mahnmale

7.8.22
An meinem Auto gibt es seit gestern 2 Mahnmale. Das erste heißt „Blinder Aktionismus“ und habe ich mir im ersten jähr geholt. Damals hatte ich mich verfahren und in meiner Panik wollte ich wenden, um die richtige Abfahrt zu nehmen. Ich setzte kurz zurück und zerdepperte mir an einem Lichtmast meinen Fahrradträger plus Fahrrad und der einen Hintertür. Heute weiß ich: Mein Auto hat eine Rückfahrkamera, in Spanien gibt es andauernd Kreisel, an denen ich zurückfahren kann und meist führt auch die nächste oder übernächste Straße mich ans Ziel.
Gestern kam nun „Mangelnde Selbstfürsorge“ dazu. Gurkte stundenlang durch enge Serpentinen und die Portugiesen nehmen den Mittelstreifen nicht unbedingt als Begrenzung ihrer Fahrbahn wahr. Als mir eine Gruppe von Motorradfahrer entgegen kam, wich ich vor Schreck nach rechts aus. Nun ziert eine ziemliche Schramme meinen rechten, hinteren Kotflügel. Das war mir eine Lehre! Danach hielt ich meine Spur, bremste notfalls ab und ließ den Entgegenkommer ausweichen.

Zwischenbericht

Lang ist es her, dass ich hier mich mitgeteilt habe, fast 3 Monate. Inzwischen bin ich in Portugal gelandet, vor der spanischen Hitze geflohen. Hier ist vieles ganz anders, aber, was ich hier schildere, ist mein Eindruck.
Ich empfinde die Portugiesen von der Grundstimmung her viel mürrischer als die Spanier. Die Autofahrer sind ähnlich verrückt, rasend und egozentrisch wie die deutschen Fahrer. Es ist fast alles viel teurer als in Spanien, nur die Campingplätze sind preiswerter und es gibt sogar manchmal Rabat für ADAC-Mitglieder. Dafür strahlt so ziemlich alles einen maroden Charme aus, wie ich ihn damals bei meinen ersten Besuchen in der ehemaligen DDR empfand. Auch kochen die Spanier viel fantasie- und geschmackvoller.
Ich habe hier einige wundervoller Menschen kennengelernt. Sie leben im Landesinneren, auf kleinen Hofgemeinschaften und stammen aus der ganzen Welt. Ich bin dankbar für den Sommer hier, habe momentan aber keine Lust dazu, mal wieder zu kommen.
Jetzt bin ich in der Nähe von Porto und werde mich langsam nach Nordspanien ausschleichen. Bin gespannt auf die Abenteuer, die mich dort erwarten.

20.4.22. Eine Geschichte über Spanien


Neulich, auf dem Markt, am Gemüsestand. Eine Frau, sie hatte 1 Zitrone und 3 Tomaten gekauft, fragt zum wiederholten Male nach, was es kostet. Die Spanier warten respektvoll. Das tun sie immer, auch wenn jemand in der 2. Reihe parkt und kein Durchkommen ist, hier wird geduldig gewartet.
Der Händler wiederholt die Summe, fragt nach, ob die Frau spanisch spreche.
„Si, si!“
Ich nicht so doll, muss mir das Geschehen zusammenreimen. Wahrscheinlich will der Händler wissen, woher die Frau Spanisch spricht oder kommt. Sie antwortet Südamerika. Der Händler fragt etwas nach.
„No, Ucraina!“
Es reißt ein Loch in die Zeit, ins Geschehen, in das sich innere Bilder mischen: Flucht, Bomben, Horror, Schmerz, Angst …
Was war die Summe? Das kann ich doch übernehmen … Eine seltsame Scheu hindert mich.
Die Frau fragt den Preis in eigenen Worten nach, der Händler nickt.
Warum schenkt der Händler ihr nicht die paar Früchte?
Ich sehe diese kleine Frau an, das Tuch wie Grace Kelly um den Kopf geschlagen, der ältliche Mantel viel zu warm für den spanischen Frühling. Gerade steht sie da, aufrecht, klaubt die fremden Münzen zusammen, reicht sie dem Händler. Der nimmt sie, geht zur Kasse, sucht die wenigen Cent Wechselgeld und reicht sie der Frau.
Sie nimmt sie, fast hoheitsvoll, deutet auf die Petersilie, fragt nach einem Preis für ein kleines Bündel.
Der Händler fragt, ob er ihr ein Bündel schenken darf.
Die Frau stockt, schaut, ein kurzes würdevolles Nicken mit schrägem Kopf, nimmt die Petersilie und verlässt den Stand.
Das Loch in der Zeit schließt sich, wir bleiben zurück, betroffen, unsicher.
Erst viel später habe ich verstanden, das Schenken auch Würde nehmen kann.

Rückmeldungen

Hi ihr Lieben, jetzt habe ich so lange hier nichts mehr von mir mitgeteilt.
Ich war so beschäftigt! Das werdet ihr mir nicht glauben, aber zwischen meinen wöchentlichen Lesungen am Freitag und dem neuen Buch (losgelassen) verfliegen die Tage nur so. Inzwischen durfte ich mehrere Exemplare meines Buches abgefahren als pdf für 5€ verkaufen und hier sind die ersten Rückmeldungen:

Hanni: Hi Süße, habe dein Buch jetzt zu Ende gelesen, mochte gegen Ende gar nicht mehr aufhören und hoffe irgendwann auf eine Fortsetzung …. 😊. Das ist doch ein gutes Zeichen oder? Du hast deine Geschichte so schön erzählt, immer auch durchflochten von deinen Gedanken zum Erlebten , was dem Ganzen eine ungeheure emotionale Tiefe verleiht … eine wirkliche Bereicherung für mich ❣️Fühle dich einmal von Herzen umarmt .

Kurt: Liebe Sybille, du bist eine tolle, feinsinnige, liebenswerte Frau mit großer Stärke, für das Gute zu kämpfen! Ich bin heute leider bis zur letzten Seite durch und würde mir wünschen, im nächsten Buch und deinem Leben positiv und entspannend mitwirken zu dürfen.

X: Liebe Sybille, ich habe dein Buch mit großer Begeisterung gelesen und viel über dich erfahren. Du bist ein wertvoller, liebenswerter, feinfühliger Mensch. Ich fühle mich kleinlich und dilettantisch, wenn ich in diesem tollen Buchwerk auf banale Dinge wie fehlende „a und E“aufmerksam mache.

Y: Das Buch “abgefahren“ startet, nach kurzer Historie der Protagonisten mit einer wunderschönen Reise durch Spanien. Die Erlebnisse sind so authentisch beschrieben, dass man sich als Begleiter der Protagonistin fühlt und mitgenommen wird.

Kirstin: Ich liebe es, in Geschichten einzutauchen, was mir hier sofort gelingt. In „abgefahren“ fahre ich Ellas Stationen mit ihr zusammen ab und überlege, wo ich gerade stehe oder vielmehr fahre…. Ich wünsche mir Ellas Abenteuer als Hörbuch, um noch intensiver eintauchen zu können. Wunderbar!

Zora: Ich finde es spannend, lebensnah, und hab dich lieb.

Simone: Liebe Sybille, in deinem Buch finde ich viele Gedanken, Ängste und vor allem Zuversicht und Hoffnung und Mut, Dinge zu bewältigen, die einem unmöglich erscheinen. In meinem Herzen geht die Sonne auf, ich danke dir.

Der WoMovirus steckt an

Inzwischen bin ich bei meinem Lieblingsplatz angekommen und anders als im letzten Jahr, ist er voll belegt. Inzwischen trauen sich die WoMobilisten wieder, in die Überwinterung zu fahren. Und nach wie vor erlebe ich das Leben in Spanien rücksichts- und respektvoller und somit sicherer. Hier ist Abstand, Maske und Desinfektion selbstverständlich. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ich hatte eine Krone verloren, ein Krönchen, und bin im 2. Anlauf zu einem deutschen, ausgewanderten Zahnarzt gefahren. Hier fand ich es sauberer und für mich ansprechender als bei seinem spanischen Kollegen.
Meine regelmäßigen Lesungen aus -abgefahren- erfreuen sich einer stetigen Beliebtheit, wofür ich sehr dankbar bin. Auch durfte ich schon 10 Bücher verkaufen und erhalte dafür so liebevolle und beflügelnde Rückmeldungen, dass ich inzwischen die Gliederung des nächsten -losgelassen- fertig habe. Es wird von Sophia handeln, die im weiteren wahrscheinlich auf Ella trifft. Ich freue mich schon sehr auf das Schreiben.
Auch hat sich mein WoMoVirus weiter verbreitet: Es fahren jetzt 5 weitere Frauen! Insgesamt: Ich bin immer noch glücklich und zufrieden mit meiner Entscheidung, mein Leben so radikal zu ändern!

Es ist fertig!

Seit 4 Wochen bin ich wieder unterwegs und es kommt mir so viel länger vor! Es hat sich viel getan!
So bin ich viel souveräner und sicherer geworden: Ich kann mein Autochen gut handeln und verstehe sogar mein Navi besser, finde schöne und geruhsame Stellplätze und nutze die Stehzeit, um mein Buch auch optisch zu vollenden. Tarraaa!!! Es ist fertig und kann ab sofort bei mir für 5€ bestellt werden.
Ich verschicke es als pdf, die du, wenn dein Kindle über deine email verbunden ist, auch auf dem Kindle öffnen kannst. Momentan scheue ich mich noch, in die Vorkosten für einen Buchdruck zu gehen … aber vielleicht …
Außerdem werde ich kapitelweise aus dem Buch vorlesen, immer freitags von 19h bis 20h auf meiner fb-Seite: Frauontour-Sybille Schmidt Grundmann
Ich bin schon ziemlich aufgeregt! Also 1. Termin: 29.10. 19h, ich freu mich auf dich!!!!

Zugvögel

Die Stare sammeln sich, erste Herbststürme fegen über das Land und in mir kribbelt die Fahrlust. Ich mache mich auf, besuche Freunde und 3 Veranstaltungen …
Zuerst ein Loslassritual aus den Anden. Zauberhaft verweben sich meine Wünsche und Erkenntnisse mit den Gaben für die Geister und Mamapatcha, Mutter Erde. Mit viel Zeit und gelassen im Hiersein gibt das Ritual mir Kraft und Raum meine Hindernisse aus der Kindheit und Jugend mit den Wünschen der Gegenwart zu verbinden. Dazu werden die Geister mit Süßigkeiten verwöhnt und auch für uns ist Naschen erlaubt. Eine kindliche Freude am Wünschen, am Erkennen und am Loslassen breitet sich aus. Es herrscht eine heilige Stille, die, nachdem das Despacho dem Feuer übergeben wurde, in kindliche Neugierde ausbricht. Sechs Frauen, viel Ehrlichkeit und große Offenheit, eine Wunder volle Einleitung in meine 4. Tour in den Süden.
Falls du auch Interesse an diesem Ritual hast:
http://www.solveigschmidt.jetzt/post/die-transformierende-kraft-eines-despachos
Morgen gehts weiter Richtung Rothenburg.