abgefahren

1.
Ich bin Ella Mutzek, 57 Jahre und schuldig. Ich liege im Krankenhaus und auch darüber fühle ich mich schuldig. In meinem Magen ist ein riesiger Knoten, mein Brustraum ist fest verschnürt, ich bekomme kaum Luft, in meinen Ohren rauscht es und sobald ich aufstehe dreht sich alles vor mir. Ich kann keinen Fuß vor den anderen setzen.
Mein ganzes Leben war ich schuldig, weil ich nicht gut genug, nicht fleißig genug, nicht ordentlich genug, nicht schön genug … einfach nirgends genug war und bin. Deshalb bin ich schuldig! Ich schaffe es einfach nicht, besser zu sein.

Jetzt liege ich hier, habe Zeit, über alles nachzudenken und die Gedanken drehen sich in einem unendlichen Kreis: schlug!schuldig!schuldig! Dröhnt es von allen Seiten. Wie kann ich so weiterleben? Wie kann ich in mein Hamsterrad wieder einsteigen und weitermachen? Wie kann ich so tun, als sei dies alles nicht geschehen? Als sei ich nicht einfach umgekippt? Als hätte ich nicht völlig versagt?

Ich musste drei Mal die Prüfung fürs Gymnasium ablegen und niemand ließ damals einen Zweifel daran, dass ich letztendlich die Aufnahme nur dem Einsatz meines Vaters verdankte. Ich war einfach nicht schlau genug.
Schließlich schaffte ich das Abitur doch im ersten Anlauf, ging endlich sogar an die Universität und absolvierte ein Studium zum Lehramt und nun bin ich seit langer Zeit Lehrerin. Ich mag meinen Beruf, finde es manchmal sogar echt erstaunlich, dass ich für diese schöne Arbeit auch noch Geld bekomme … aber … schuldig! Immer fühle ich mich schuldig.

Es gibt Kinder, die verstehen meine Erklärungen nicht oder nicht richtig. Ich finde es schrecklich, ihnen dafür im Test eine schlechte Note geben zu müssen. Ich hätte das doch einfach besser erklären sollen!
Und es gibt Kinder, die langweilen sich im Unterricht, wiederum andere sind überfordert, manche haben so viele Probleme zu Hause, dass sie sich kaum konzentrieren können … und dann sollen all diese armen Wesen hier die Klasse wiederholen? Oder bekommen Strafen, weil sie Blödsinn machen? Schuldig! Ich bin eine schlechte Lehrerin, ich hätte es besser machen müssen, sie besser auffangen, abhalten, unterstützen müssen. Es sind ja noch Kinder!

Um ihnen zu helfen, habe ich eine andere Unterrichtsform eingeführt: Offenen Unterricht. Alle Themen sind mit Spielen, Informationen und Übungen so vor- und aufbereitet, dass jedes Kind selbst entscheiden kann, wieviel es davon bearbeiten, erfahren, wissen und lernen will. Jede Ferien, jeden Nachmittag, jedes Wochenende sitze ich und bastle, schnipple, klebe und suche Informationen zusammen.
Die Folge: Ich habe keine freie Zeit mehr für mich. Schon lange nicht mehr. Ich habe keine Freunde, keine Liebesbeziehung mehr, lange Jahre nur noch der Hund und ich. Und nun ist seit ein paar Monaten auch noch der Hund tot und die Einsamkeit hat mich voll im Griff.
Und all das ist mir bisher gar nicht so bewusst und klar gewesen.

Dass es niemanden für den Hund gab, ist jetzt einerseits gut, denn ich liege im Krankenhaus, aber wenn ich daran denke, wieder nach Hause zu gehen, in das leere Haus … ohne Freunde, ohne Arbeit, ohne Ziele, ohne Beschäftigung …sofort schießen mir wieder die Tränen in die Augen. Das ist kein zu Hause, das ist eine leere Bude mit Schreibtisch und Bett! Wie soll ich das so allein dort aushalten? Aber für die Schule habe ich im Moment auch keine Kraft mehr.
Ich schluchze, die Tränen laufen, ich japse nach Luft, es wird immer schlimmer, kann mich kaum einkriegen, jetzt schießen mir die Tränen nur so aus den Augen und ich setze gefühlsmäßig das ganze Bett unter Wasser.
Plötzlich da ist so nichts mehr … ein großes, unendliches, schwarzes Loch … und ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll.

Die Tür zu meinem Zimmer öffnet sich und Schwester Gertrud huscht herein. „Ach Liebe, was ist denn?“
Sie schaut mich ganz bekümmert an.
„Tut Ihnen was weh?“
Dieser mitfühlende Blick durchweicht meine gerade so mühsam errungene Beherrschung: „Ja,“ jammere ich, „mein ganzes Leben.“
„Ach Kindchen,“ sie ist kaum älter als ich.
„Sie haben doch so einen schönen Beruf! Und sie bekommen sogar Post von Ihren Kindern!“
Das stimmt, eine Kollegin war heute hier und hat einen dicken Umschlag mit vielen lieben Briefen, Karten und Bildern vorbeigebracht. Das tut einerseits gut, so von den Kiddies bedacht zu werden, andererseits wurde mir dadurch klar, dass ich so gar keine Kraft mehr für sie habe.
Die Vorstellung, mich vor meine Klasse stellen zu müssen, macht mir sogar Angst. Ich kann diese Maske der Lehrerin nicht mehr tragen!
„Ja,“ japse ich, „aber ich kann das nicht mehr!“

Jetzt ist es raus. Ich kann das alles einfach gar nicht mehr. Seit Jahren fühle ich mich überfordert, stehe eigentlich permanent mit dem Rücken an der Wand und befürchte immer, dass irgendwer es endlich entdeckt, wie unfähig ich eigentlich wirklich bin. Entdeckt, dass ich nicht genug bin, dass ich zu Unrecht diesen Posten bekleide, dass ich gar keine ordentliche, gute Lehrerin bin, dass ich unfähig bin, dass ich eben einfach schuldig bin!
Bei diesen Gedankensätzen breche ich innerlich zusammen und schwimme in meinen Tränen und meiner völligen Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Der Hals ist wie zugeschnürt, in der Brust wird es eng und der Schwindel setzt wieder ein. Alles um mich herum dreht sich, ich komme mir vor, als wäre ich auf einem Schiff bei Windstärke 12. Mir wird übel und ich befürchte, gleich in Ohnmacht zu fallen.
Um mich herum piept es, irgendwie bricht Hektik aus, aber mir ist das alles egal: Ich lasse los und verschwinde.

Irgendwann tauche ich wieder auf, fühle mich ganz matt und irgendwie auch leicht. Ich schaue aus dem Fenster, sehe den blauen Himmel und frage mich, welche Jahreszeit wir eigentlich haben. Ich kann keine Bäume ausmachen, liege irgendwo über dem Erdboden, im Nichts. Nirwana, nehme ich kommentarlos zur Kenntnis.
Langsam kommen die Erinnerungen zurück an die Schwindelattacken auf den Treppen in der Schule und zu Hause, an meine Angst, die gewandelte Treppe runter zu fallen und mir das Genick zu brechen. Und an die Besuche bei meinem Hausarzt, der erschrocken über den viel zu hohen Blutdruck war. Als die Medikamente eine Woche später immer noch nicht angeschlagen hatten, schickte er mich ins Krankenhaus, in dem ich jetzt liege.
Nach elend langer Wartezeit und einem fast Zusammenbruch im Wartezimmer stellte der untersuchende Arzt fest, dass ich kaum Körpergefühl im linken Bein habe. Sowohl das EKG als auch das EEG zeigten auffällige Werte und so wurde ich stationär aufgenommen und diversen Untersuchungen unterzogen.
Ich lag auch in der Röhre und dufte mich nicht bewegen, während mein Hirn gescannt wurde. Heute kommen endlich die Ergebnisse der Untersuchung.


Jetzt sitze ich beim Stationsarzt, um über alles informiert zu werden. Und schon wieder heule ich Rotz und Wasser. Ich stehe völlig neben mir und kann es einfach nicht auffangen. Es überkommt mich einfach und ich bin diesen Gewalten schutzlos ausgeliefert.
Grad hat er mich informiert, dass diese erneute Schwindelattacke vielleicht der 2. Schlaganfall war. SCHLAGANFALL!!!! Ich muss sterben und hab doch überhaupt noch nicht gelebt! Von lieben ganz zu schweigen … ich fühle mich nur noch leer, kraftlos und matt.

„Na, Frau Mutzek“, will mich der Arzt trösten, „da haben Sie aber ganz viel Glück gehabt! So wie es aussieht, bleiben keine massiven Schäden!“
Schäden? Der Mann hat sie wohl nicht alle!
„Es gibt Menschen, deren Gesicht gezeichnet ist oder sie haben Schwierigkeiten beim Gehen oder sie kommen gar nicht mehr bewusst zurück.“
Oh Gott!
Ich kann es kaum fassen. Denke an meine Zeit als Hilfskraft im Altenheim … sabbern, einkoten, dahindämmern. Ich bin unter Schock, taumle wie eine Schlafwandlerin in mein Zimmer, das muss ich erst einmal verarbeiten.

Ja, er hat ja Recht: Das war ein Alarmsignal und ich bin echt glimpflich davongekommen. Aber was heißt das jetzt für mein Leben?
Werde ich jede Menge Tabletten nehmen müssen?
Bleiben diese Schwindelattacken?
Kann ich überhaupt noch arbeiten?
Finde ich in meine Kraft zurück?
Diese Fragen drehen sich in meinem Kopf. Egal ob ich esse, trinke oder im Parterre in die Cafeteria gehe: Ich nehme kaum etwas wahr, schmecke nichts, rieche nichts, immer nur:
Wie geht es weiter?
Was bedeutet das für mein Leben?
Kann ich wieder in die Schule?
Wäre denn ein Leben ohne Schule überhaupt möglich?
Eine endlose Spirale ohne Ausgang und ich kann mich nicht ablenken. Im Fahrstuhl …, auf der Treppe …, wieder im Zimmer …
Wann darf ich wieder arbeiten … oder … muss ich noch arbeiten? Ein winziges Samenkorn setzt sich fest.
Und der nächste Kreislauf beginnt:
Was ist, wenn ich nie mehr zur Schule müsste?
Was mache ich dann mit meinem Leben?
Was mache ich überhaupt mit mir?
Die Gedanken rattern und rattern, das Zimmer fängt wieder an, sich zu drehen und ich bekomme Angst. Kriege keine Luft mehr, der Schweiß bricht mir aus, HILFE!
Hilfe? Ich bin im Krankenhaus?! Darf ich jetzt eine Schwester rufen und stören?

Ich beobachte meine Gedanken.
Wozu bin ich im Krankenhaus, wenn ich mir nicht helfen lasse?
Diese dauernde Angst, ich falle jemandem zur Last. Ich kann das alles gerade nicht mehr alleine schaffen. Ich brauche jetzt wirklich Hilfe. Es überfordert mich!
Schließlich überwinde ich all meine Bedenken und drücke auf die Klingel.
Schwester Gertrud ist ganz schnell da: „Na, was ist?“ Sie tätschelt meinen Arm. In mir kämpft das kleine Mädchen, das auf den Arm will und ganz viel Angst hat mit der souveränen Frau, die cool alles allein managen kann.
Aber die Angst gewinnt: „Mir ist schon wieder so schwindelig“, kommt das ganz kleinlaut aus meinem Mund.
„Liebes, das wird schon! Ich geb Ihnen jetzt ein paar Beruhigungstropfen und dann versuchen Sie mal, nicht zu denken“, ist ihre klare Ansage.
Sie holt die Tropfen, ich kuschele mich ein, ich werde langsam ruhiger. Ganz von selbst beobachte ich, wie mein Atem langsamer und tiefer wird und ich entspanne mich immer mehr.

*******

Ein paar Tage später lese ich bei Facebook einen guten Spruch:

Nicht jeder, der geboren wurde, hat sich bereits für das Leben entschieden.
Veit Lindau

Das trifft mich bis ins Mark.
Was ist denn das Leben?
Was ist mein Leben?
Lebe ich überhaupt?
Ich funktioniere doch nur im Hamsterrad, spule einen Tag nach dem anderen ab, renne und renne und schaffe und falle abends müde ins Bett … aber ist das Leben?
Ich bin so unzufrieden und weiß doch nicht, wie es anders gehen soll.

Inzwischen bin ich aus dem Krankenhaus entlassen, habe Medikamente gegen die Unruhe und andere gegen die Angst und auch noch welche für den Schlaf verschrieben bekommen, dazu den klaren Hinweis, mir einen Therapeuten zu suchen.
Also im Internet die Therapeuten im Umfeld suchen?
Es gibt einen Therapeutenverband, dort sind alle aufgelistet. Auf der Liste finde ich auch, wer nur privat arbeitet und welcher über Krankenkassen abrechnet.
Meine ersten Anrufe sind Ablehnungen.
„Was, sofort?“
„Illusorisch!“
Mir geht es so schlecht … ich bin körperlich völlig down und psychisch so labil und bekomme keine Hilfe?
Ich heule wegen jeder Kleinigkeit.
Inzwischen lohnt es sich auch gar nicht mehr, dass ich mich dafür schäme. Es kommt, egal ob ich es nun versuche zu unterdrücken. Ich hab es einfach nicht mehr im Griff. Ich habe mich nicht mehr im Griff.
Und so soll ich vor eine Klasse??? Im Leben nicht!
Ich funktioniere nicht mehr.

Vor kurzem war ich bei Aldi. Die „vielen“ Menschen … ich hab es nicht ausgehalten, bin wieder raus ohne den Einkauf. Saß nur im Auto, musste mich erst mal beruhigen. Als es mir wieder einiger Maßen besser ging, wurde mir klar, dass da höchsten 5 Leute eingekauft haben. Aber ich fühlte mich total bedrängt! Bin ich überhaupt noch normal?
Und was ist „normal“, die Norm?
Werd ich jetzt verrückt?
Wohin rücke ich?
Ich kann einfach nicht mehr … alles, was bis vor kurzem noch galt und mir eine Richtung gab, ist weg, kaputt und funktioniert nicht mehr. Und Hilfe ist nicht in Sicht.


Endlich ein Lichtblick: Dr. Mayer hat freie Termine … in 2 Monaten. Ich sollte glücklich sein, habe aber das Gefühl, dass ich das nicht ertrage! Ich sc Haff mein Leben, selbst in dieser reduzierten Form, einfach nicht mehr. Ich kann nicht mehr funktionieren, ich bin so dünnhäutig und verletzbar. Ich suche weiter, denn ich halte mich nicht mehr aus.

Frau Müller bittet mich zu einem Sofortgespräch. Endlich! Ich nehme alles und jeden, denn ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Ich fahre mit einem mulmigen Gefühl zu ihr. Das Unbekannte stresst mich. Schweißnass komme ich bei ihr an, der Verkehr unterwegs überforderte mich auch völlig. Statt eines beruhigenden Gespräches fülle ich dann in der Praxis seitenweise Fragebögen aus. Hätte sie mir das nicht zuschicken können? Schließlich bittet sie mich rein. Ich sitze vor ihr, sie überfliegt meine Antworten auf den Fragebögen. Mich nimmt sie gar nicht wahr.
Ich schaue mich um: Es sieht aus, wie in einem Wohnzimmer. Gemütlich. Überall Kissen und Nippes. Aber ist das ihre Praxis?
Sie ist eine Therapeutin von der Liste, also muss sie doch professionell sein, oder?

Endlich schaut sie mich an: „Sind Sie eine angeheiratete Mutzek?“
„Nein!“
Was soll die Frage?
„Kennen sie jemanden, der in Bellingdorf wohnt“
„Ja, meine Schwester.“
„Dann kann ich sie nicht behandeln. Ich bin befangen.“
Hä, belastende Innenleben einzutauchen, niemanden über- oder anfahren ????
Ich werde verabschiedet und verlasse die Praxis. Im Auto habe ich noch immer die Fragezeichen. Was war das denn jetzt?
Und ich Brei he in Tränen aus. Es scheint, als will das Leben nicht, dass mir geholfen wird.

Endlich zu Hause.
Die Rückfahrt hat mich jede Menge Kraft gekostet: Mich auf den Verkehr zu konzentrieren, nicht ins diffuse Innenleben einzutauchen, niemanden an- oder überzufahren … ich bin Schweiß gebadet und völlig erschöpft.
Ich lege mich auf mein Bett, kann gerade noch die Schuhe abstreifen, dann überfüllt mich ein großes Zittern. Wie eine Fieberattacke. Ich liege, klappere und schwitze.

Langsam, wirklich sehr sehr langsam, dämmert es mir: Sie hatte mal jemanden aus der Familie meiner Schwester in Behandlung. Als wenn es den Namen Mutzek hier in der Gegend zehntausend Mal gibt. Das hätte ihr doch schon am Telefon auffallen können, oder???! Und dann kommen die Tränen, ein Schluchzen und Jammern, ein Schreien und Wüten. Ich bin alles: Hilflos, einsam, wütend, unfähig, nicht genug und völlig, völlig überfordert. Ich schaffe das alles nicht mehr!
Ganz, ganz langsam kehre ich aus diesem Elend zurück, schaue um mich: Niemand hat meinen Zusammenbruch bemerkt. Wie auch? Ich lebe allein. Ich könnte hier sterben und es würde Tage dauern, bis es jemandem auffällt.
Ich putze mir die Nase, wische mir die Tränen ab, hole noch einmal tief Luft und starre an die Decke.
Was soll ich tun?
Wie geht es weiter?

Ein paar Tage später kommt eine Rechnung. 24€ für eine Anamnese.
Hä????
Die macht es sich ja einfach, Fragebogen und ablehnen und dafür 24€.
Wieviel schafft sie da am Tag?
Ich bin so wütend und sprachlos … und so enttäuscht. Ich hatte so auf Hilfe gehofft. Und gleichzeitig habe ich einfach keine Kraft mehr, dagegen anzugehen, mich zu wehren. Eigentlich müsste ich das dem Therapeutenverband melden. Es fühlt sich an wie unterlassene Hilfeleistung.
Ich weiß mit mir nichts anzufangen. Mir fehlt mein Hund, Menschen, Gespräche, ich möchte auf den Arm, ich möchte mich einkuscheln und fallen lassen. Ich halte das alles nicht mehr aus. Meine ewige innere Fragerei ohne Antworten. Ich möchte nur noch weg, ich möchte vor mir davonlaufen.

Plötzlich klingelt das Telefon, ein völlig unbekanntes Geräusch und ich erschrecke. Dr. Mayer meldet sich. Er hätte nächste Woche am Mittwoch um 11h einen freien Termin. Ob es mir passen würde. Ich jubele.
Endlich!
Doch dann kommt mein Misstrauen: „Muss ich bei Ihnen auch Fragebögen ausfüllen?“
„Ja, ich hab da einige Fragen, aber das können wir gemeinsam besprechen. Wenn dann noch welche offen sind, können Sie den Rest zu Hause ausfüllen. Aber meist erübrigt sich das durch unser Gespräch.“
Das hört sich gut an und so zugewandt. Ich nehme den Termin an und kann es kaum erwarten.

In der Wartezeit bin ich nervös und unkonzentriert, fange Arbeiten an und lasse sie liegen. Finde meine Gartenhandschuhe plötzlich in der schmutzigen Wäsche und meine Heckenschere im Eingang. Ich ärgere mich über meine Fahrigkeit. Aber wenn ich zur Ruhe komme, bin ich den Tränen sehr nahe. Ich bin total erschöpft und völlig aufgedreht und kann mich nur schwer auf eine Aufgabe konzentrieren.
Überall und ständig kreiseln die Gedanken:
Wie soll es weitergehen?
Wie kann ich in der Schule vor der Klasse funktionieren? Bei dem Gedanken ergreift mich regelrecht eine Panik. Der Brustraum wird eng und die bekannten Schwindel setzen ein. Ich habe Angst, in Ohnmacht zu fallen.
Es würde niemand mitbekommen, wenn ich hier tot zusammenbreche! Also lenke ich mich ab, beginne die nächste Aufgabe, nur um mich ganz schnell im ähnlichen Gedankenkarussell wieder zu finden.
Wenn ich mir irgend etwas zu essen mache, bekomme ich nur zwei Bissen runter, dann wird mir übel. Ich halte mich einfach nicht mehr aus!
Und die Zeit vergeht elend langsam.